Menschen brauchen Sinn

Sinn-Entleerung durch Geld-Fixierung

Die Gelddimension als international anerkannter Tauschwert stellt ja ein hartes Faktorenbündel zur Steuerung sozialer Systeme dar. Über die Gehalts- und Gewinnbeteiligungs-Systeme werden in Organisationen wesentliche Werte- und Führungsimpulse gesetzt. Auch wenn sich Geld weniger als nachhaltiger „Motivator“ eignet, sondern eher als „Frustrator“ wirkt („Ich werde, verglichen mit den Niedrigleistern in meinem Umfeld, zu niedrig bezahlt!“ oder mit Blick nach oben: „Verglichen mit den Einkommen da oben, fühle ich mich ungerecht niedrig entlohnt!“), hat es einen hohen symbolischen Anerkennungs-Wert. Seine (problematische) Wirksamkeit als Steuerungsinstrument in Unternehmen steigt in dem Maße, wie der Shareholder Value als Primärsinn von Unternehmen in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstseins rückt. Die aktuellen Finanzkrisen zeigten, wie riskant ein auf den „Making money“-Zweck reduziertes Wirtschaftssystem ist.

Wie schon im alten Testament vor dem „Tanz um das goldenen Kalb“ gewarnt wurde, müssen auch heute wieder die problematischen Folgewirkungen einer solchen einseitigen Gesellschaftssteuerung über das Geld und der damit verbundenen Werte- und Sinnentleerung bewusst gemacht werden. Wirtschaftskrisen, die Hand in Hand gehen mit den Skandalen in führenden Unternehmen, die sich breit machende, kurzsichtige (Ab-)Zocker-Mentalität, die unser Wirtschaftssystem gefährdet und das Vertrauen in unsere Staatssysteme unterhöhlt, weisen auf die Gefahren einer einseitigen Wertefixierung auf Geld hin.

 

Menschen brauchen Sinn

Wir teilen die Einschätzung von Rudolf Wimmer (2008): „Blickt man in die tägliche Wirtschaftsberichterstattung, so könnte man meinen, am erfolgreichsten seien jene Unternehmen, die ihre Entwicklung ausschließlich in den Dienst des Shareholder Value-Prinzips stellen. Es ist jedoch ein weit verbreiteter Irrtum dieses Führungskonzeptes, der Erfolg eines Unternehmens beruhe auf der kompromisslosen Instrumentalisierung seiner Beschäftigten zum Zwecke der alleinigen Gewinnmaximierung. Eine solche Grundhaltung entzieht nämlich jeder Organisation auf Dauer die Möglichkeit, für ihr Tun einen tragfähigen Sinn zu stiften. Dieses Unvermögen hat auf Sicht gesehen fatale Folgen. Wir wissen, dass die Leistungsfähigkeit heutiger Organisationen in einem bislang noch nie dagewesenen Ausmaß davon abhängt, dass es ihnen gelingt, ein engagiertes Mittun und Mitdenken ihrer Beschäftigten zu mobilisieren. Ihr nachhaltiger Erfolg fußt unabdingbar auf der Bereitschaft derselben zur Verantwortungsübernahme auf allen Ebenen der Aufgabenerfüllung. Dafür ist die Stiftung eines gemeinschaftlich geteilten Sinnes unerlässlich. „Human sein“ in Organisationen bedeutet deshalb ausreichende Chancen für eine Sinn erzeugende Selbstverwirklichung der beteiligten Menschen bereitzuhalten und auf dieser Basis immer wieder von Neuem einen fairen Ausgleich zwischen den persönlichen Interessen der Mitglieder und den Überlebenserfordernissen der Organisation zu suchen. Nur so erhalten Organisationen ihre Vitalität und Leistungskraft.“

Es wird deutlich, wie wichtig ein werteorientiertes Management und eine glaubwürdig gelebte Firmenkultur für den nachhaltigen Bestand unserer Gesellschaftssysteme ist.

(Quelle: Die weichen Faktoren der Führung – mtt-Werkstattberichte)