Reboarding: Nach Krise und Krankheit zurück in die „neue Arbeits-Normalität“ – doch wie sieht die aus?

Die meisten Unternehmen haben mittlerweile ihre bestehenden Geschäftsmodelle und Strategien angepasst. Die Regeln, Abläufe und Strukturen für die Zeit mit und nach Covid-19 sind in den Krisenplänen neu definiert – Back to Office, Homeoffice, Mund-Nasenschutz-, Abstands-, Hygienevorschriften, Kurzarbeit. Die „harten“ Faktoren sind bestens geregelt. Die Mitarbeiter sind informiert, wissen Bescheid. 

Doch wie sieht es mit den „weichen“ Faktoren aus? Viele Mitarbeiter sind verunsichert und spüren, dass es nicht mehr so weitergehen wird/kann wie davor. Die kollektive Covid-19-Erfahrung hat und wird bei uns allen – bei allen Generationen und bei jedem Einzelnen – ihre ganz persönlichen Spuren hinterlassen. 

Wie robust und resilient ihre Organisation und ihre Mitarbeiter sind, wird sich in den nächsten Monaten zeigen

Eine Rückkehr, als wäre nichts gewesen, ist nicht möglich. Und so tun, als ob alles wieder gut ist, wäre fatal. Zu schnell wird in dieser Phase bewertet, anstatt zu beobachten. Die abrupte Veränderung und ihre Spuren wollen verarbeitet und neu verortet werden. 

Menschen und Systeme verarbeiten ihre Krisenerfahrungen über Dialog- und Austauschprozesse 

Unser Reboarding-Dialog unterstützt Ihre Führungskräfte, Mitarbeiter und Teams den Prozess des „Wieder-an-Bord-Gehens“ gemeinsam erfolgreich zu gestalten und den Arbeitsalltags neu auszubalancieren. Im Mittelpunkt des Reboarding-Dialogs stehen Vertrauen, Verletzlichkeit, Verbundenheit und Verantwortung. 

Jeder kann zum Gelingen des Neustarts beitragen. Und es scheint so, dass die Bereitschaft mitzumachen, mitzugestalten, sich einzubringen, groß ist. Diesen Schwung aus der Krise sollten wir nutzen.

Unser Reboarding-Dialog basiert unter anderem auch auf dem Konzept der Salutogenese (salus = Gesundheit, genese = Entstehung) mit den 3 Ebenen:

Verstehbarkeit  Die Fähigkeit zu verstehen, was sich momentan in meinem Leben alles tut

  • Erlebe ich die Herausforderungen meiner Umwelt als verständlich, überschaubar und vorhersagbar? 
  • Wie verarbeite ich meine derzeitige Situation (z.B. aktuelle Krisensituation, Krankheit, schwierige Lebenssituationen) und ihre Zusammenhänge?

Handlungsfähigkeit – Die Fähigkeit zu gestalten und zu wirken:

  • Habe ich eigentlich die Ressourcen, um mit dieser Herausforderung umzugehen? 
  • Erlebe ich, dass den Anforderungen und Stressoren passende Ressourcen zur Bewältigung gegenüberstehen? 
  • Welche Gestaltungsmöglichkeiten habe ich?

Sinnhaftigkeit – Die Fähigkeit, die Bedeutsamkeit zu fühlen:

  • Ergibt das für mich alles einen Sinn? 
  • Erlebe ich die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen als lohnenswert und sinnvoll? 
  • Gibt es tragfähige, sinnstiftende Zusammenhänge und Lösungen? 
  • Welchen Sinn machen meine Aufgaben und wie passen sie zu meinen eigenen Lebensentwürfen?

Für Mitarbeiter:

In einer Krise lernen wir oft Facetten von uns kennen, die lange Zeit verborgen waren. Durch die Einschränkungen und Veränderungen der letzten Monate stellen wir uns immer wieder die Sinn-Frage und suchen nach Antworten. Nicht selten finden wir dabei zu einer neuen Lebendigkeit. 

Damit Sie Ihre Mitarbeiter wieder GANZ an Bord bekommen: 

  • nutzen Sie Zeichen von unerwartetem, zunächst unverständlichem und „unerwünschtem“ Verhalten und 
  • prüfen Sie im Dialog deren Bedeutung für ihre Arbeitssituation und Arbeitsfähigkeit.

Für Führungskräfte:

Führung ist in Krisenzeiten immer spielentscheidend. Es braucht eine klare Kommunikation, viel Feingefühl, Dialogbereitschaft und Präsenz – sowohl analog als auch digital. 

  • Welche Art der Führung ist am besten, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern? 
  • Wie haben sich mein Führungsselbstverständnis und meine Führungsrolle verändert? 

Gerade Führungskräfte brauchen Begleitung und den Raum, ihre Erfahrungen, Sorgen und Ängste zu reflektieren. Sonst kann es hier zu Zielkonflikten und Überlastungen kommen. 

Erster Check: So führen Sie durch die ersten Wogen der Rückkehrphase.

1. Vorbereitung präventiver Maßnahmen – organisatorisch und mental

  • Die Arbeitsabläufe, Mitarbeiteraufgaben und Regeln für ihren Verantwortungsbereich konkretisieren und definieren …
  • Die Mitarbeiter über die einzelnen Schritte, Phasen der Rückkehr informieren …
  • Kontakt herstellen und Vertrauen sichern …

2. Rückkehr und Ressourcenaufbau

  • Mit jedem Mitarbeiter Reboarding-Gespräche führen: Zuhören; Unsicherheiten und Ängste, Sorgen zulassen; über die persönliche Erfahrung berichten lassen; ermutigen; Verständnis zeigen; Fragen stellen und beantworten, …
  • über Veränderungen und Neuerungen informieren, …
  • Unterstützung und Begleitung anbieten …

3. Integration und Begleitung

  • Mit den Mitarbeitern in regelmäßigen Feedback- und Coaching-Gesprächen Kontakt halten …
  • Die Erfahrungen mit den Neuerungen und Veränderungen besprechen und reflektieren …
  • Die Ressourcen und Kompetenzen der Mitarbeiter stärken und fördern …
  • Commitment aufbauen: Wer sind wir jetzt und was halten wir in Zukunft für möglich?

Für Teams:

Die Zusammenarbeit auf Distanz hat Vorteile und natürlich auch Nachteile. Bestehende Konfliktfelder haben sich eher abgekühlt. Man freut sich, die Kolleg*innen wieder zu treffen. Doch die Konflikte sind geblieben. Vielleicht hat sich nur der Fokus etwas verschoben? 

Wenn Sie jetzt die Mitarbeiter in einem bewusst geführten Prozess in das Team integrieren, können Sie den Schwung der individuellen Erfahrung nutzen. Denn so stärken Sie die Zusammenarbeit und den Teamgeist:

  • Welche Zusammenarbeitserfahrungen haben wir in dieser Krisenphase gemacht?
  • Was hat sich bewährt und sollten wir es beibehalten?
  • Was wollen wir ändern, neu einführen?
  • Was halten wir für möglich?

Alles in allem wollen wir Sie ermuntern: Legen Sie diese eindrucksvolle Zeit nicht einfach ad acta. Eröffnen Sie den Dialog, um somit immer kompetenter im Umgang mit unsicheren Zeiten und Umständen zu werden. Denn mit dieser Art von Normalität können wir rechnen.

Mit diesem Beitrag können wir Ihnen nur Impulse und einige Anregungen für den Reboarding-Dialog anbieten. In unserem Reboarding*-Dialog-Prozess beraten und begleiten wir Mensch und Organisation individuell: in Einzelberatung und in Gruppen, analog und digital.

Unsere Experten stehen Ihnen auch für Arbeitsschutz, Rechts- und Suchtfragen zur Verfügung.

*Reboarding® wurde 2014 für Menschen und Organisationen gegründet, die ihre Rückkehr nach Krankheit und Krise sorgsam und verantwortungsvoll gestalten und die Learning für die Zukunft nutzen wollen: Beim Heilen auch zugleich wachsen.

Nähere Informationen erhalten Sie unter www.reboarding.de

Telefonisch erreichen Sie uns:

Barbara Schlagenhauf, Reboarding®, 089-74889797 oder 

Thomas Geus, mtt consulting GmbH, 089 71940234 

Oder Sie schreiben uns unter kontakt@reboarding.de.

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